Bitcoins – viel mehr als nur eine Zocker-Währung

Daran hätte noch vor einem Jahr wohl kaum jemand geglaubt, dass die virtuellen Bitcoin Münzen heute fast genauso viel Wert sind, wie eine Unze Gold. Lag ihr „Umrechnungskurs“ vor wenigen Monaten bei um die 250 Dollar, schnellte er in dieser Woche bis auf 1.170 Dollar in die Höhe, der Goldpreis pro Unze lag zu dieser Zeit bei 1.240 Dollar. Einen recht ordentlichen Dämpfer bekam das virtuelle Spielgeld im Mai dieses Jahres. Deutsche und polnische Staatsanwälte sperrten damals das Internetportal bitcoin-24, der Tatverdacht lautete Geldwäsche in Zusammenhang mit schwerem Betrug. Eigentlich war das kein allzu guter Ausgangspunkt für den gerade stattfindenden Höhenflug der Bitcoins.

Seifenblase oder die alternative Anlageform?

bitcoinAnalysten warnen davor, der nur begrenzt vorhandenen Währung ein zu großes Vertrauen zu schenken, denn der Traum vom großen Geld, könne sich bereits in kurzer Zeit in heiße Luft auflösen. Dennoch wurde der Bitcoin vom Bundesfinanzministerium im September als sogenannte „Rechnungseinheit“, was so viel wie privates Geld heißen soll, eingestuft. Die Währung ist körperlich rein fiktiv, wird durch einen (noch!) geheimen Computeralgorithmus erzeugt und kann ganz offiziell gegen Euro eingetauscht oder als Zahlungsmittel im Rahmen der Kompensation von Tauschgeschäften verrechnet werden. Als der Bitcoin 2009 aus der Taufe gehoben wurde, war die staats- und bankenunabhängige Währung Zahlungsmittel eingefleischter Computerfreaks, die einen ungeheuren Spaß damit hatten, in der Kneipe damit ihren Kaffee zu bezahlen. Die Zurückverfolgbarkeit der Bitcoins ist nur sehr eingeschränkt möglich, da anders, als bei den traditionellen Währungen, keine zentralen Kontrollmöglichkeiten vorhanden sind.

Es gibt heute eine ganze Reihe von Möglichkeiten, um in dieser Währung seine Verbindlichkeiten zu zahlen, Wikileaks, das Auktionshaus Bit, WordPress und sogar der BUND nehmen Überweisungen von Bitcoins ohne Probleme an. Hier ist allerdings Vorsicht geboten, denn Zahlungen per Bitcoin lassen sich nicht rückgängig machen. Onlineshops sind bei dieser Zahlungsform eher zurückhaltend. Es gab allerdings Hinweise darauf, dass auch eBay das Fantasiegeld als Zahlungsmittel akzeptieren wolle, eine offizielle Bestätigung dieser Spekulation erfolgte bis heute allerdings nicht. Auch aus dem Reich der Mitte soll es bereits heftige Interessenbekundungen zur Einführung dieser Währung geben. Bei den Chinesen ist das neue Spielgeld überaus beliebt und sie würden die neue Währung lieber heute als morgen als Bezahlsystem im Internet nutzen. Das Portal von Bitcoin.de (Betreiber ist die FIDOR-Bank) ist ein sehr lebhafter Handelsplatz des virtuellen Geldes, auf dem man kaufen oder auch verkaufen kann. 2009 erhielt der Käufer 5.000 Bitcoins, wenn er dafür 24 Dollar hingelegt hatte. Heute ist diese Investition über eine halbe Million Dollar wert, aber der Kurs ist innerhalb kürzester Zeit immer sehr heftigen Schwankungen unterworfen gewesen und das mögen um Sicherheit bemühte Anleger überhaupt nicht. Vielen Investoren ist dieses Missverhältnis aber auch schon zum Verhängnis geworden, die dadurch viel Geld verloren haben. Es kommt auch immer wieder vor, dass eine Bitcoin Börse überraschend schließen musste, viele Anleger warten noch heute auf ihr Geld und werden es wohl niemals wiedersehen.

Wert und Verlässlichkeit steigen mit der Anzahl der Akzeptanzstellen (oder fallen?!)

Bezahlt wird mit den Bitcoins heute hauptsächlich im Internet – der Rechnungsbetrag wird dazu ganz normal und einfach per Software überwiesen. Im stationären Einzelhandel kommen Smartphone & Apps zum Einsatz, wenn der Einkauf oder Restaurantbesuch per Bitcoin bezahlt werden soll. Dabei wird der zu entrichtende Betrag nur eingescannt und automatisch vom aufgeladenen Bitcoin-Konto abgezogen. Der Haken an dieser Währung ist allerdings, dass es maximal 21 Millionen Münzen von ihnen geben kann und wird. 12 Millionen sind bereits in Umlauf, neue Bitcoins werden nach einem automatischen Prinzip erzeugt, dessen System immer langsamer wird, je mehr Münzen generiert werden. Die Rechnerzeit wird also gewollt immer langsamer und es ist, wenn die Nachfrage steigt, nicht möglich, diese Geldmaschinerie zu beschleunigen. Das wird der wohl wichtigste Grund dafür sein, dass anerkannte Börsianer den Bitcoins mittelfristig keine Perspektive voraussagen wollen. Die Münzen werden in keinem Fall wertstabiler als traditionelle Zahlungsmittel sein, aber vermutlich einen sehr hohen und nie da gewesenen Sammlerwert besitzen.

Schlagworte: