Der Goldpreis fällt – jetzt einsteigen?

Seinem Ruf als Krisenwährung wurde Gold seit dem Ausbruch der Finanzkrise in vollem Umfang gerecht. In den letzten fünf Jahren hat sich der Wert des gelben Edelmetalls nahezu verdoppelt. In den letzten Monaten dieses Jahres mussten die Gold-Notierungen an den internationalen Finanzmärkten einen Rückschlag verkraften. Zahlreiche Anleger fragen sich vor diesem Hintergrund, ob der richtige Zeitpunkt für den Einstieg jetzt erreicht ist oder der Goldpreis seine Talfahrt fortsetzt.

Gold: Die Berg- und Talfahrt 2012

Geld in Gold anlegenAnleger, die in Gold investiert haben, erlebten im Jahr 2012 eine Berg- und Talfahrt der Notierungen. Zu Beginn des Jahres stieg der Preis getrieben von Inflationsängsten und der Sorge um die Ausweitung der Schuldenkrise in der Eurozone von unter 1.600 Dollar je Feinunze bis Ende Februar auf mehr als 1.770 Dollar. Nach dem furiosen Anstieg erfolgte ein Absturz der Notierungen bis auf 1.527 Dollar Mitte Mai. Den höchsten Stand des Goldpreises im Jahr 2012 konnten Anleger im Oktober feiern. Zeitweise wurde das Edelmetall mit einem Preis oberhalb von 1.790 Dollar gehandelt. Seither kamen die Kurse schrittweise zurück und pendelten sich zum Jahresende auf Werte um 1.660 Dollar je Feinunze ein. Zur weiteren Entwicklung existieren unterschiedliche Meinungen mit weiten Spreizungen. Um die künftige Entwicklung des Goldpreises beurteilen zu können, lohnt ein Blick auf die harten Fakten.

Die Währungspolitik der Zentralbanken

Entscheidenden Einfluss auf die Wertentwicklung des gelben Edelmetalls hat die Geldpolitik der Zentralbanken. Die riesige Ausweitung der Geldmenge in Europa und in den USA schürt seit Jahren Inflationsängste. Wer fürchtet, einen Teil seines Vermögens durch die Geldentwertung zu verlieren, sucht nach Alternativen. Die Investitionen in wertbeständige Sachwerte nehmen in diesem Umfeld zu. In Europa und in den USA sind augenblicklich keine Signale für eine bevorstehende Anhebung der Leitzinsen, die eine Eindämmung der Geldmenge zur Folge hätte, zu erkennen. Im Gegenteil: Die FED bestätigte ausdrücklich eine Fortsetzung der Null-Zins-Politik bis mindestens in das Jahr 2015. In der Eurozone verharren die Zinsen auf einem historisch niedrigen Niveau und bei einer neuerlichen Rezession in Europa sind weitere Zinssenkungen sehr wahrscheinlich. Vor diesem Hintergrund sprechen mehrere Gründe für einen Anstieg des Goldpreises in 2013, denn die Verzinsung der Guthaben auf den Sparkonten wirft nach wie vor kaum eine Rendite ab. Zieht man die Inflationsrate von derzeit rund 2,2 Prozent ab, erwirtschaften die Anlagen negative Realzinsen. Die Investition in Gold trägt in diesem Umfeld zumindest zur Erhaltung der Kaufkraft bei.

Gold als Alternativwährung

Der Goldpreis wird wie kaum eine andere Notierung im Bereich der Rohstoffe von psychologischen Effekten beeinflusst. Verlieren die Anleger Vertrauen in eine Währung, werden Alternativen gesucht, die einen Werterhalt des vorhandenen Vermögens gewährleisten. Der Euro leidet durch die milliardenschweren Anleihen-Kaufprogramme der EZB und die immer neuen Rettungspakete für schwächelnde Mitgliedsstaaten seit Jahren unter einem massiven Vertrauensverlust. Beleg dafür sind die sprunghaften Veränderungen der europäischen Währung im Verhältnis zum US-Dollar im Jahresverlauf. Das Tief markierte der Euro zum US-Dollar im Juli bei einem Stand von rund 1,20, während das Jahreshoch im Februar bei knapp 1,35 erreicht wurde. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Notenbanken 2013 weltweit als Goldaufkäufer in Erscheinung treten, um die inflationären Risiken abzusichern. Darüber hinaus verfügen zahlreiche Schwellenländer noch über eine verhältnismäßig geringe Währungsreserve in Gold. Im Zuge eines weiteren wirtschaftlichen Aufschwungs in Ländern wie Indien, China und Brasilien und dem damit verbundenen Anstieg der Währungsreserven besteht die Möglichkeit, dass diese Staaten verstärkte Rücklagen in dem gelben Edelmetall bilden.

Betrachtet man die Fakten, ist das Umfeld für weiter steigende Goldnotierungen im kommenden Jahr vorhanden. Die Unsicherheiten über die konjunkturelle Entwicklung weltweit bleiben bestehen. Die Rezession in den südlichen Ländern der Eurozone, die weiterhin ausstehende Einigung im US-Haushaltsstreit und der immer noch schwächelnde Arbeitsmarkt in den USA tragen nicht zu einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage bei.

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