Kartenzahlung in Deutschland: Plastikgeld wird immer beliebter

Die Kartenzahlung ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Einer aktuellen Studie zufolge sank der Anteil an Bargeldzahlungen im deutschen Einzelhandel im Jahr 2012 auf 55,6 Prozent. Klarer Favorit ist die EC-Karte mit einem Anteil von 84,5 Prozent. Die restlichen 15,5 Prozent der Zahlungen entfallen auf die Kreditkarte. In neun von zehn Fällen kommt somit die EC-Karte beim Einkauf zum Einsatz.

Plastikgeld wird immer beliebter

PlastikgeldNach einer Studie des Handelsforschungsinstitutes EHI in Köln überschritt der Umsatzanteil der Kartenzahlungen in deutschen Einzelhandel im vergangenen Jahr erstmals die Marke von 40 Prozent. Danach wurden 41,3 Prozent des gesamten Umsatzvolumens mit dem praktischen Plastikgeld beglichen. Das Umsatzvolumen des Einzelhandels betrug im Jahr 2012 nach den Erhebungen des EHI 385 Milliarden Euro. Nicht berücksichtigt wurden Umsätze des Versandhandels, der Apotheken, der Tankstellen und des Autohandels. Davon wurde ein Anteil von 159 Milliarden Euro von den Verbrauchern mit der Karte beglichen. Das entspricht einem Plus von acht Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Im internationalen Vergleich ist Deutschland damit allerdings immer noch ein Entwicklungsland. Während in Ländern wie Großbritannien und Schweden selbst der Kaffee am Kiosk und die morgendliche Tageszeitung mit der Kreditkarte bezahlt werden, trennen sich die Deutschen nur langsam vom Bargeld.

Kartenzahlung ist kostengünstiger als Bargeldzahlung

Die Trennung von der Bargeldzahlung fällt den deutschen Verbrauchern schwer und verläuft schleppend. Im Jahr 2008 betrug der durchschnittliche Bargeldbestand im Portemonnaie der Verbraucher 118 Euro. Heute sind es mit durchschnittlich 103 Euro nur unwesentlich weniger. Dabei verursacht die Bargeldzahlung einer Studie der Steinbeis-Hochschule Berlin zufolge höhere Kosten für die Volkswirtschaft als die Kartenzahlung. Den größten Kostenblock schultert mit rund 6,7 Milliarden Euro demnach der Handel. Neben Personal- und Transportkosten fallen für die Händler Kosten für eine sichere Verwahrung und Lagerung der Bargeldreserven an. Die Banken tragen die Kosten für Schaltermitarbeiter, Geldautomaten und Geldtransporter. Unter dem Strich belaufen sich die Kosten auf etwa 4,5 Milliarden Euro. Den Verbrauchern entstehen durch das Bargeld im Portemonnaie Zinsverluste. Die Studie ergab, dass die Bezahlung mit Bargeld lediglich für Beträge unter 6,20 Euro volkswirtschaftlich günstiger sei, als die Kartenzahlung.

Bezahlung mit Plastikgeld senkt die Hemmschwelle

Die Bezahlung mit EC- oder Kreditkarte senkt bei der Mehrzahl der Verbraucher die Hemmschwelle beim Geld ausgeben. Der physische Verlust eines Geldscheines im Portemonnaie hinterlässt offenbar einen nachhaltigeren Eindruck als die Abbuchung vom Konto. Vor diesem Hintergrund steigt die Gefahr der Inanspruchnahme des kostspieligen Dispokredites. Insgesamt scheint in Deutschland die Scheu vor einer Verschuldung generell abzunehmen. Zum einen zeigen sich die Verbrauer in der Gegenwart konsumfreudig wie selten zuvor, zum anderen stieg die Anzahl der Ratenkredite für Privatpersonen im vergangenen auf ein Rekordniveau. Den größten Zuwachs konnten vor diesem Hintergrund Online-Kredite verbuchen. Im Vergleich zum Jahr 2011 stieg die Anzahl der Darlehen von Direktbanken oder anderen Kreditgebern aus dem Internet um 17,3 Prozent. Animiert werden viele Verbraucher auch von den zahlreichen Null Prozent Finanzierungen, die von einigen Einzelhandelsketten werbewirksam in Szene gesetzt werden. Verbraucherschützer und Schuldnerberatungen warnen seit Langem vor den Folgen der sorglosen Inanspruchnahme dieser verlockenden Angebote. Für Haushalte mit geringem Einkommen könnten die vermeintlichen Schnäppchen unter Umständen der erste Schritt auf dem Weg in die Schuldenfalle sein.

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