Null Prozent für das Tagesgeld: Keine Zinsen mehr für Sparer

Seit der letzten Senkung des Leitzinses durch die EZB auf nunmehr 0,5 Prozent zu Beginn des Jahres mehrten sich die Warnungen von Finanzexperten, dass die Banken in naher Zukunft den Sparer keine Zinsen mehr auf das Ersparte zahlen würden. Dass diese Entwicklung in Deutschland längst Realität ist, belegt eine Untersuchung des Online-Vergleichsportals Verivox. Das erschreckende Ergebnis: Mehr als 400 Finanzinstitute zahlen den Sparern keine Zinsen mehr auf das Tagesgeld. In erster Reihe stehen Sparkassen und Volksbanken.

Der unaufhaltsame Sinkflug des Zinssatzes

Seit Jahren sehen sich die Sparer mit sinkenden Zinsen für ihre Guthaben konfrontiert. Untersuchungen zahlreicher Finanzportale ergeben derzeit einen Durchschnittswert für Tagesgeldzinsen von rund 0,4 Prozent. Das bedeutet, die Zinsen haben sich innerhalb eines Jahres halbiert. Bei der Betrachtung der Entwicklung über einen längeren Zeitraum wird deutlich, dass seit dem Ausbruch der Finanzkrise nur noch ein Viertel des Zinssatzes gezahlt wird. Von diesen mickrigen 0,4 Prozent können die meisten Inhaber eines Tagesgeldkontos allerdings nur träumen. Von 570 untersuchten Finanzinstituten zahlten laut Verivox mehr als 400 ihre Kunden überhaupt keine Zinsen mehr oder knüpften die Zinszahlung an willkürlich festgelegte Mindesteinlagen.

Resignation bei den Sparern

TagesgeldDer anfängliche Ärger über die Aussetzungen der Zinszahlungen durch die Banken ist bei vielen Verbrauchern in Resignation umgeschlagen. Während viele Anleger nach dem Beginn der Zinssenkungen durch die EZB im Jahr 2008 zu anderen Geldinstituten mit besseren Konditionen wechselten, macht sich heute eine gewisse Lethargie bemerkbar. Die meisten Sparer fühlen sich der Situation hilflos ausgeliefert und nehmen die finanziellen Einbußen zähneknirschend in Kauf. Dabei besteht kein Anlass zur Untätigkeit. Einige Institute bieten noch immer einen Zinssatz von bis zu 1,5 Prozent aufs Tagesgeld. Die Lethargie birgt Gefahren, denn es steht viel Geld auf dem Spiel. Wechseln die Sparer nicht wie in der Vergangenheit zu einem besseren Anbieter, entsteht ein Gewöhnungseffekt und die Banken sehen sich nicht veranlasst, im Buhlen um die Gunst der Kunden attraktivere Konditionen zu bieten.

Keine Zinsen ohne Mindestanlagesumme: Die Tricks der Banken

Eine Verschleierung der Null-Prozent-Verzinsung ist der Trick mit der Mindestanlagesumme. Diese Mindestanlagesumme ist eine vom Geldinstitut willkürlich festgelegte Minimalsumme, die der Sparer auf dem Tagesgeldkonto haben muss, um in den Genuss einer Zinszahlung zu kommen. Neben zahlreichen Volksbanken und Sparkassen befinden sich auch bundesweit agierende Geldinstitute unter den Nicht-Zahlern. Bei der IKB direkt erhalten die Kunden erst bei einer Mindesteinlage von 5.000 Euro eine Verzinsung des Guthabens. Nicht anders sieht es bei der Hypo-Real-Estate-Tochter Deutsche Pfandbriefbank aus. Die GEFA Bank verlangt sogar eine Einlage von mindestens 10.000 Euro. Kunden mit weniger Vermögen gehen leer aus. Schlechte Zeiten sind in München für Sparer angebrochen. In der bayerischen Landeshauptstadt zahlen mit der Genossenschaftsbank München, der Stadtsparkasse München, der Sparda-Bank München und der Münchner Bank gleich mehrere voneinander unabhängige Geldinstitute ihren Kunden keine Zinsen mehr auf das Tagesgeld. Der Trick bei der Mindestanlagesumme: Wer kurzfristig Geld benötigt und dieses vom Tagesgeldkonto abhebt, fällt unter Umständen unter die willkürlich festgelegte Bemessungsgrenze und erhält gar keine Zinsen mehr. Häufig fällt den Kunden dieser Umstand erst bei der nächsten Saldenmitteilung auf, denn offensiv kommuniziert wird die Vorgehensweise von den Geldinstituten nicht.

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