Riesterrente: Wer profitiert am meisten?

Die Produkte der Riesterrente wurden in der Vergangenheit oft gescholten. Die magere Rendite und undurchsichtige Kostenstrukturen der meisten Vorsorgeprodukte sind die Hauptargumente gegen diese Form der Altersvorsorge. Testergebnisse der Zeitschrift „Ökotest“ bestätigten die negativen Vorurteile. Viele Verbraucher stellen sich vor diesem Hintergrund die berechtigte Frage: Wer profitiert tatsächlich von der Riesterrente?

Riesterrente: Vor- und Nachteile

Bei der Riesterrente handelt es sich um eine Form der privaten Altersvorsorge, die durch Zuschüsse des Staates unterstützt wird. Für die Produkte existieren ganz konkrete gesetzliche Vorgaben. Dazu gehört eine 100-prozentige Beitragsgarantie, die den Sparern als Mindestmaß die eingezahlten Beiträge inklusive aller staatlichen Zuschüsse beim Eintritt in das Rentenalter garantiert. Wer allerdings 30 Jahre lang in einen Riester-Sparvertrag eingezahlt hat, erwartet wesentlich mehr Rendite als lediglich eine Garantie über die eingezahlten Beiträge mit der staatlichen Förderung. Und an dieser Stelle setzt die Kritik an Riester-Vorsorgeprodukten an, denn bei zahlreichen Produkten sind die Kosten fast ebenso hoch wie die vom Staat gezahlten Zulagen. Dessen ungeachtet werden von den Versicherungsgesellschaften die eigenen Produkte intensiv umworben. Als Werbeargument wird die staatliche Zulage ins Feld geführt, die nach Angaben der Versicherungswirtschaft ein zusätzliches Einkommen im Alter bedeutet. Die intransparenten Kosten und der tatsächliche Nutzen vieler Produkte für den Kunden werden in diesem Zusammenhang selbstverständlich verschwiegen.

Personen mit geringem Einkommen: Riestern lohnt sich nicht

Nach Untersuchungen der Zeitschrift „Test“ lohnt sich Riestern für Personen mit geringem Einkommen bisher nicht. Wer im Alter aufgrund seines Einkommens auf Leistungen der Sozialhilfe angewiesen ist, hat von seinem angesparten Vermögen überhaupt nichts. Der Grund liegt in der derzeitigen Regelung, dass die Riesterrente als Einkommen gilt und mit den staatlichen Sozialleistungen verrechnet wird.

Personen mit mittlerem Einkommen profitieren von der Riesterrente

Anders sieht es bei Personen der mittleren Einkommensgruppe aus. Bereits in der Ansparphase sind steuerliche Einsparungen möglich. Für einen Single beträgt der steuerliche Vorteil bei einem Jahreseinkommen ab 52.500 Euro insgesamt 640 Euro pro Jahr. Über den Zeitraum der gesamten Ansparphase gerechnet, kommen auf diese Weise einige Tausend Euro zusammen. Bei verheirateten Paaren ergibt sich ein Steuervorteil von 1.280 Euro pro Jahr. Aus diesem Grund kann sich ein Riester-Sparvertrag durchaus lohnen. Werden die staatlichen Zulagen über ein gesamtes Arbeitsleben hinzuaddiert, kann sich die Riesterrente mit der Steuerersparnis als lohnendes Investment erweisen. Vor diesem Hintergrund kann die magere Rendite, die die Versicherer ihren Kunden bietet, fast vernachlässigt werden.

Riestern für Familien

RiesterrenteZu den Profiteuren der Riesterrente gehören neben den Personen mit mittlerem Einkommen auch Familien. Werden vier Prozent des Jahreseinkommens für die private Altersvorsorge zurückgelegt, beträgt die staatliche Zulage mindestens 154 Euro. Als Obergrenze gilt der Betrag von 2.100 Euro jährlich. Für jedes Kind kommt eine staatliche Förderzulage bis zu einer Höhe von 300 Euro pro Kind dazu. Aufgrund der staatlichen Zuschüsse und der Möglichkeiten zur Steuerersparnis sind die Riester-Produkte für Familien mit Kindern besonders rentabel. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass die Zulagen nur auf Antrag ausgezahlt werden. Wer sich die alljährliche Prozedur selbst ersparen will, kann seinen Versicherer bereits beim Vertragsabschluss beauftragen, einen Dauerzulagenantrag bei den entsprechenden staatlichen Institutionen zu stellen.

Was tun bei Unsicherheit?

Wer sich nicht sicher ist, ob ein Riester-Sparvertrag für die eigene Vermögenssituation das geeignete Produkt zur Altersvorsorge ist, kann die Hilfe der Verbraucherzentralen in Anspruch nehmen. Nach einem persönlichen Beratungsgespräch herrscht schnell Klarheit, ob sich der Abschluss eines Riester-Sparvertrages wirklich lohnt. Wenn bereits ein Riestervertrag existiert, kann ein Wechsel der Anlageform und damit des Produktes finanzielle Vorteile in der Zukunft bringen. Seit einiger Zeit werden auch Fondprodukte im Rahmen der Riesterförderung angeboten. Die Renditechancen liegen beim Abschluss eines solchen Vertrages häufig höher als bei einem Bausparvertrag oder einer Riesterversicherung.

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