ROUNDUP: Vonovia will auch 2019 mehr verdienen und schichtet Investitionen um

BOCHUM (dpa-AFX) – Für Deutschlands größten Immobilienkonzern
Vonovia laufen die Geschäfte dank steigender Mieten in den Metropolen und seiner jüngsten Zukäufe weiter gut. Bei dem erst vor kurzem angehobenen Jahresziel für den operativen Gewinn (FFO 1) sieht sich der
Dax-Konzern auf Kurs und will 2019 noch mehr verdienen. Dazu beitragen sollen auch höhere Mieteinnahmen. Diese sollen künftig aber nicht mehr vor allem aus Umlagen im Zuge von Modernisierungen in Deutschland, sondern aus Neubau und den zugekauften Wohnungen in Schweden kommen. Insgesamt will Vonovia die Investitionen noch einmal deutlich erhöhen.

Das operative Ergebnis – gemessen an der für die Branche wichtigen Kenngröße Funds from Operations 1 (FFO 1), soll 2019 auf 1,14 bis 1,19 Milliarden
Euro steigen, wie Vonovia am Donnerstag in Bochum mitteilte. Für 2018 peilt Vonovia bei der Kennziffer 1,05 bis 1,07 Milliarden Euro an. Das wären rund 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dabei sind die jüngsten Zukäufe – die österreichische Buwog und die schwedische Victoria Park – enthalten. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren. Die Dividende für 2018 soll um 12 Cent auf 1,44 Euro je Aktie klettern.

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres summierte sich der operative Gewinn auf 778 Millionen Euro, das war knapp 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Dazu trugen höhere Mieten, niedrigere Finanzierungskosten sowie der Zukauf in Schweden bei. Der Gewinn legte um gut 16 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu. Hier profitierte Vonovia von einer Aufwertung der Immobilien. Während beim operativen Ergebnis und bei den Mieteinnahmen die Buwog noch nicht enthalten ist, fließt beim Periodenergebnis bereits die Übernahme ein.

Zudem plant der Immobilienkonzern, seine Investitionen 2019 noch einmal deutlich zu erhöhen. 2019 sollen 1,3 bis 1,6 Milliarden Euro überwiegend in den Neubau und in die Sanierung von Wohnungen in Schweden fließen. Während 2018 noch ein Großteil in energetische Modernisierungen wie etwa Dämmung und Austausch alter Fenster von den geplanten Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro geht, streicht Vonovia künftig solche Ausgaben kräftig zusammen. Damit reagiert Vonovia-Chef Rolf Buch auf die massiven Proteste von Mietern nach Modernisierungen wegen der teilweise kräftigen Mieterhöhungen.



“Es nutzt nichts, wenn die Leute das nicht wollen”, sagte Buch den Nachrichtenagenturen dpa-AFX und dpa. Zudem seien viele Mieter auch finanziell nicht in der Lage, die mit der energetischen Modernisierung verbundenen Mieterhöhungen zu tragen. Ab sofort sei eine Kürzung der energetischen Investitionen um rund 40 Prozent geplant. Während die Modernisierungsquote bei Vonovia bislang bei rund fünf Prozent des Wohnungsbestands gelegen habe, soll sich dieser Wert nun auf rund drei Prozent reduzieren.

Künftig werde es Buch zufolge durch Sanierungen zudem keine Mietaufschläge von mehr als zwei Euro je Quadratmeter geben, auch wenn dies gesetzlich zulässig ist. Damit wolle man sicherstellen, dass Mieter ihre Wohnungen als Folge der durch die Modernisierung bedingten Mietsteigerungen nicht verlassen müssten. Aktuelle Modernisierungsprojekte, die zu Mieterhöhungen von über zwei Euro pro Quadratmeter führen, werde man sich “genau ansehen”.

Trotz der deutlich zurückgehenden Modernisierungen soll sich laut dem Vonovia-Chef der Anstieg der durchschnittlichen Mieten nicht verlangsamen. “Der Mietanstieg kommt dann nicht aus der Modernisierung, sondern aus dem Neubau”, sagte Buch. In den ersten neun Monaten waren die Mieten im Schnitt um vier Prozent auf 6,45 Euro pro Quadratmeter gestiegen.

Vonovia steht wegen steigender Mieten aufgrund von Modernisierungen schon seit längerem in den Schlagzeilen. Der Mieterbund kritisiert, dass große Vermieter sich so eine goldene Nase verdienten. Für viele Mieter seien die Erhöhungen nicht tragbar, sie würden aus ihren Wohnungen verdrängt oder abhängig von Sozialleistungen. Die Koalitionsfraktionen Union und SPD hat vor kurzem deshalb das Mietrecht zugunsten von Mietern verschärft.

Ab 2019 dürfen Hausbesitzer nach Modernisierungen nur noch 8 Prozent der Kosten im Jahr statt bisher 11 Prozent auf die Miete umlegen. Pro Quadratmeter sind dann Erhöhungen bis zu drei Euro erlaubt. Wo die Miete weniger als sieben Euro pro Quadratmeter beträgt, dürfen Vermieter je nur zwei Euro aufschlagen.

Vonovia – der früheren Deutschen Annington – gehören mehr als 400 000 Wohnungen. Die Bochumer sind in den vergangenen Jahren vor allem durch Großübernahmen von Rivalen wie
Gagfah, Süddeutsche Wohnen (Südewo), Franconia und Wiener Conwert stark gewachsen. 2018 kamen Buwog aus Österreich und Victoria Park aus Schweden hinzu./mne/jha/


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