Spektakuläre Einbrüche am Goldmarkt – verliert das Edelmetall seinen Glanz?

Seit mehr als zehn Jahren kannte der Goldpreis nur eine Richtung: Nach oben. Weltweit jagten die Gold-Notierungen an den internationalen Finanzmärkten von einem Höchststand zum nächsten. Doch der Höhenflug scheint ein jähes Ende gefunden zu haben. Mitte April gab es einen bis dahin beispiellosen Einbruch bei den Notierungen. Innerhalb von zwei Tagen stürzte der Goldpreis um 200 Dollar pro Unze. Anleger fragen sich seither verunsichert, welche Richtung die Notierungen in der Zukunft einschlagen werden.

Goldpreis: Vom schleichenden Wertverlust zum freien Fall

Geld in Gold anlegenDer spektakuläre Einbruch des Goldpreises Mitte April kam für viele Kleinanleger überraschend und traf sie völlig unvorbereitet. Innerhalb von nur zwei Tagen fielen die Notierungen um 200 US-Dollar pro Unze und der Preis für das Edelmetall fiel unter die Marke von 1.400 US-Dollar. Damit war der tiefste Stand seit mehr als zwei Jahren erreicht. An der New Yorker Terminbörse war das Handelsvolumen der Goldkontrakte an diesen beiden Tagen doppelt so hoch wie im Jahresdurchschnitt. Mit diesem Einbruch erreichte der schleichende Wertverfall des Goldes seinen vorläufigen Höhepunkt. Das letzte Hoch erreichte das Edelmetall im Oktober 2012. Damals lagen die Notierungen um die 1.800 US-Dollar. Zum Jahresende wurde Gold bei rund 1.700 US-Dollar pro Unze gehandelt, um Ende März 2013 bei nur noch 1.600 US-Dollar zu stehen. Dann kam es zu dem Einbruch, über dessen Ursachen seither spekuliert wird.

Experten rätseln über die Ursachen

Der plötzliche Einbruch des Goldpreises warf Fragen nach den Ursachen auf. Aus rationaler Sicht spricht nichts für einen derartigen Wertverfall innerhalb so kurzer Zeit, denn das fundamentale Umfeld hat sich nicht verändert. Die gewaltige Menge, die innerhalb von nur zwei Tagen den Besitzer wechselte, entspricht auf dem Papier 1.140 Tonnen Gold. Das entspricht dem gesamten Jahresbedarf von Ländern wie China oder Indien, die zu den größten Absatzmärkten der Welt für das gelbe Edelmetall gehören. Der Preisverfall am 15. April entsprach einem Wertverlust von mehr als neun Prozent. Am 17. Mai kam es abermals zu einem Einbruch des Goldpreises an der New Yorker Terminbörse Comex. In zwei Schüben wurde Gold in einem Volumen von 17 Tonnen abgestoßen. Der weltweit größte Goldfonds SPDR Gold Trust beendete den Tag mit einem Verlust von 2,25 Prozent. Bis zum Ende der folgenden Woche brach der Wert des Edelmetalls um insgesamt sieben Prozent ein und gab damit sämtliche Gewinne seit Mitte April wieder ab. Spekuliert wurde über mögliche Goldverkäufe Zyperns, die im Zuge einer drohenden Staatspleite erforderlich würden. Allerdings fallen die Goldvorräte des Landes mit einem Volumen von rund 14 Tonnen eher bescheiden aus und können kaum für die Verwerfungen verantwortlich sein.

Gold jetzt verkaufen? – Kleinanleger sind verunsichert

In der Krise haben viele Kleinanleger Gold als krisensichere Anlage und zum Schutz vor der Inflation gekauft. Nun stellen sie sich die bange Frage, ob die Zeit gekommen ist, das Edelmetall besser zu verkaufen. Da die weitere Entwicklung des Goldpreises niemand seriös vorhersagen kann, raten Experten, die Investition aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Wer Gold als Absicherung gegen Staatsschuldenkrisen und Inflation gekauft hat, sollte prüfen, ob die Risiken und die damit verbundenen Ängste noch immer vorhanden sind. Wenn die Meinung besteht, dass die Sicherheitsreserve nicht mehr erforderlich ist, kann das Gold verkauft, anderenfalls behalten werden. Die Entscheidung sollte unabhängig vom aktuellen Kurs des Goldes fallen. Ob der jahrelange Gold-Boom tatsächlich beendet ist, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersagen.

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