Nie wieder privat versichert: Wege aus der privaten Krankenversicherung

Zu teuer, zu aufwendig, zu viele überflüssige Untersuchungen – Vorteile besitzt die private Krankenversicherung vor allem für junge Beitragszahler. Im Alter kehren sich die vermeintlichen Stärken dieser Versicherung in das Gegenteil um. Kräftige Beitragssteigerungen, ein großer bürokratischer Aufwand und lästige Zusatzuntersuchungen machen die PKV im Alter zunehmend unattraktiv.

Die Verlockung der günstigen Beiträge

GKV, private KrankenversicherungPrivate Krankenversicherungen setzen bei der Werbung von Neukunden in erster Linie auf jüngere Beitragszahler und locken diese mit deutlich niedrigeren Beiträgen als die GKV. Was auf den ersten Blick enorme Einsparungen im persönlichen Budget verspricht, erweist sich nach einigen Jahren häufig als Kostenfalle für die Versicherten. Die günstigen Einstiegsbeiträge für einen dreißigjährigen Arbeitnehmer oder Angestellten werden Jahr für Jahr von kräftigen Beitragserhöhungen in die Höhe getrieben. Die Verbraucherzentrale in Sachsen weist auf den Umstand hin, dass im Alter von 65 Jahren rund das Dreifache an Beiträgen in der privaten Krankenversicherung gezahlt werden muss. Wer mit 30 Jahren und einem monatlichen Betrag von 300 Euro zur PKV gewechselt ist, sieht sich zum Eintritt in das Rentenalter mit monatlichen Kosten in Höhe von rund 900 Euro konfrontiert.

Bürokratie und überflüssige Untersuchungen

Nicht unerheblich ist für die Versicherten der PKV der bürokratische Aufwand. Jede Arztrechnung, Laborrechnung und Apothekenquittung muss vom Versicherten bei seiner privaten Krankenversicherung eingereicht werden. Die Erstattung dauert in Abhängigkeit von der Bearbeitungsdauer wenige Tage bis zu einigen Wochen. Wer auf Mahnungen verzichten will, muss in finanzielle Vorleistung gehen. Bei der Bezahlung von Rezepten in der Apotheke ist dieser Vorgang obligatorisch. Zudem beklagen viele Privatversicherte unnötige Zusatzuntersuchungen der Ärzte. Für die Mediziner ist ein Privatpatient eine lukrative Einnahmequelle und einige Ärzte machen sich diese Tatsache zunutze, indem sie überflüssige und zeitraubende Maßnahmen anordnen. Eine professionelle Zahnreinigung ist einmal jährlich sinnvoll und notwendig. Wird der gleiche Vorgang dreimal im Jahr durchgeführt, stellt sich für die Versicherten die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Behandlung.

Die Begründung der Preissteigerungen bei der PKV

Die Argumente der Versicherer, mit denen die teilweise exorbitanten Preissteigerungen begründet werden, sind seit Jahren die gleichen. Der Verband der privaten Krankenversicherungen erklärt, dass die medizinischen Ausgaben mit dem Ansteigen des Lebensalters ebenfalls steigen. Hinzu kommt, dass einige Tarife im Lauf der Jahre geschlossen und keine Neukunden mehr aufgenommen werden. Die Folge sind steigende Beiträge, weil die Lasten angeblich auf immer weniger Schultern verteilt werden müssten. Als Alternative rät der Verband zu einem Tarifwechsel und verweist auf die Tatsache, dass jüngere Versicherte von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, während ältere Versicherte im bisherigen Tarif verbleiben. Dass vonseiten der privaten Krankenversicherung kein Beitragszahler auf die Schließung bestimmter Tarife hingewiesen wird, verschweigen die Verantwortlichen in diesem Zusammenhang gerne. Der Schwarze Peter wird mit dieser Argumentation den Versicherten zugeschoben, die indirekt durch ihre Inaktivität selbst für die Beitragssteigerungen verantwortlich gemacht werden.

Wege aus der privaten Krankenversicherung

Die zunehmenden Beitragskosten im Alter stellen für zahlreiche Privatpatienten eine große finanzielle Belastung dar. Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung sind die Beiträge der PKV nicht an das Einkommen des Arbeitnehmers gekoppelt. Aus diesem Grund suchen viele Privatversicherte einen Weg zurück in die GKV. Doch hier ist in manchen Fällen Eile geboten. Ab einem Alter von 55 Jahren bleiben die Türen der gesetzlichen Krankenversicherung für Privatpatienten verschlossen. Ein Wechsel zurück in die GKV ist für Angestellte und Arbeitnehmer nur möglich, wenn das Einkommen ein Jahr lang unter der Versicherungspflichtgrenze von derzeit 50.850 Euro liegt. Für Abschlüsse, die vor dem 31.12.2002 erfolgt sind, gilt eine Grenze in Höhe von nur 45.900 Euro Jahreseinkommen. Wer ein höheres Einkommen besitzt, kann durch eine Reduzierung der Arbeitsstunden oder die Einführung eines Arbeitszeitkontos das Einkommen unter die magischen Grenzen drücken. Selbstverständlich ist eine Reduzierung der Arbeitszeit häufig auch mit einem Einkommensverlust verbunden. Ein Jahr lang müssen die Versicherten in der PKV verbleiben, um im Anschluss freiwillig der gesetzlichen Krankenversicherung beizutreten.

Sparmöglichkeit Tarifwechsel

Jedem Privatversicherten steht es frei, jederzeit den Tarif bei seinem Anbieter zu wechseln. Vorsicht ist geboten, wenn mit dem Wechsel in einen anderen Tarif ein höherer Selbstbehalt oder Leistungseinschränkungen einhergehen. Einer neuerlichen Gesundheitsprüfung müssen Wechselwillige innerhalb derselben Versicherung nicht zustimmen. Kostensenkend kann sich auch der Wechsel zu einem anderen Anbieter auswirken. Allerdings ist vor diesem Schritt zu beachten, dass die Altersrückstellungen erhalten bleiben.

Schlagworte: , ,