Wie Genussrechte auch ganz schnell zum Reinfall werden können

Warnungen vor Prokon gab es in den letzten Wochen und Monaten bereits eine ganze Reihe und rechtzeitig vor Weihnachten kommt dann auch prompt die Hiobsbotschaft, die dem Großteil der betreffenden Anleger die Festtagsstimmung einigermaßen verhageln dürfte: Das sehr rührige Unternehmen, das sich mit regenerativen Energien, zu mindestens in den Hochglanz-Werbebroschüren einen Namen gemacht hat, schreibt seit August tiefrote Zahlen. Den um die 74.000 Anlegern, die bisher über eine Milliarde Euro in den Konzern investiert haben, wurde im letzten Rundschreiben vor dem Fest noch wärmstens empfohlen, die gewinnbringenden Genussrechte als Weihnachtsgeschenk für die lieben Verwandten und Bekannten zu nutzen, ob das mittelfristig Freude bringt, ist aber wohl kaum zu erwarten.

Ein Feiertagsrundbrief mit Folgen?

Winkrafträder beim starken WindDie besorgniserregenden Fakten präsentiert man dann auch wohlweislich nicht ganz so direkt im recht werbewirksamen Rundbrief, sondern erst in weniger auffälligen Hinweisen bzw. direkt auf dem Online-Portal von Prokon. Danach hat der Unternehmensbereich regenerative Energien bis 31. August 2013 bei den Verlustvorträgen „Miese“ in Höhe von knapp unter 195 Millionen gemacht, allein im Vormonat waren es beinahe 50 Millionen Euro. Das hat, laut den sogenannten Genuss-Rechtsbedingungen  von Prokon, zunächst finanzielle Folgen auf das Stammkapital der Gesellschaft, bei weiteren Verlusten, soll sich danach aber der Rückzahlungsanspruch der Anlage verringern. Auf kritische Hinweise aus den Vormonaten, die hauptsächlich in der Presse zu finden waren, reagiert Prokon bereits wenig selbstkritisch und wollte von da ab für Anfragen der Medien überhaupt nicht mehr zur Verfügung stehen.

Die Rendite steht bei Prokon auf wackligen Füßen

In der Zeit vom 1. Januar bis 31. August 2013 hatte der Prokon Geschäftsbereich Windenergie 44,5 Millionen Euro an Umsatzerlösen bei 31,5 Millionen Euro für Betriebskosten bilanziert, bleiben rund 13 Millionen Euro Verdienst. Fällige Abschreibungen und zu zahlende Steuern sind in diesem Ergebnis allerdings noch nicht berücksichtigt worden. Um aber allein nur die Grundverzinsung der Einlagen von Anlegern zu sichern, müsste der Gewinn wenigstens 60 Millionen Euro betragen. Das wäre zu mindestens der Betrag, der bei Prokon zur Verfügung stehen müsste um die Erträge in Höhe von 6 Prozent für das Genussrechtskapital der Anleger, das mehr als eine Milliarde Euro beträgt, zu sichern. Dieser, immerhin verbriefte Anspruch der Investoren könnte durch die von vorherein festgelegte Verlustbeteiligung also schon zu einem Teil geschmolzen sein, bzw. in einer solchen Höhe liegen, dass die Rückzahlung beträchtlich unter der Höhe der getätigten Einzahlungen liegt. Als Reaktion auf diesen Negativtrend heißt es im oben zitierten Rundbrief, dass Prokon sogar auf ein Genussrechtskapital von 2 Milliarden Euro kommen will, um damit letztlich die Interessen der Anleger zufriedenzustellen. Ob diese gewaltige Summe aber allein durch Anwerbung weiterer Privatinvestoren geschultert werden kann, bleibt da schon sehr zu bezweifeln. Ein Anlagemodell aus der Mischung von „industrieller Landwirtschaft“ in Einheit von in hohem Maße unverlässlichen, staatlichen Subventionen scheint damit nicht annähernd so sicher zu sein, wie man es lautstark propagiert hatte. Ohnehin liegt bei dieser Offerte der Begriff eines „Schneeballsystems“ nicht in all zu großer Ferne.

Und die „Moral von der Geschicht? …

… trau niemals einem Wolf, wenn Du ein Schaf bist!“ Frisches Geld dürfte nach den ernüchternden Bilanzzahlen von Prokon nun allerdings recht zögerlich in die klammen Kassen fließen. Die ziemlich zögerliche und destruktive Haltung, die der Presse und anderen Medien gegenüber bereits seit Monaten praktiziert wird, ist da ebenfalls nicht sehr erfolgversprechend, geschweige denn anlegerfreundlich. Trotz dieser unerfreulichen Gesamtzahlen kommen solche Negativbilanzen bei dieser Art der Anlagenform nicht ganz so überraschend und aus heiterem Himmel schon gar nicht. Wer Zinsen von sechs bis acht Prozent, wie sie den Prokon-Investoren versprochen wurden, auf sein eingezahltes Geld erhofft, muss einfach davon ausgehen, dass es bei diesen, als allgemein riskant geltenden Anlageformen zu nicht unerheblichen Turbulenzen kommt, die dann nicht nur die Festtagsstimmung gründlich verderben. Die erworbenen Anteilspapiere jetzt zu verkaufen, ist dann allerdings zur jetzigen Zeit wohl auch keine so gute Idee, es sei denn, dass sich die Investoren mit deftigen Verlusten identifizieren würden.

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