Wohnriester: Mit staatlicher Förderung zum Eigenheim

Die Riester-Rente stand in der Vergangenheit stark im Fokus der Öffentlichkeit. Verbraucherschützer kritisierten die geringen Renditeaussichten, die unübersichtlichen Strukturen der Vorsorgeprodukte und hohe Kosten. Ein anderes Bild bietet die Altersvorsorge mit Wohnriester. 55.000 Neuverträge im dritten Quartal 2012 sprechen eine deutliche Sprache: Deutsche Verbraucher setzen beim Weg in das Eigenheim verstärkt auf die Riester-Rente.

Riester-Rentenversicherungen in der Kritik

WohnriesterDie Riester-Rente wurde von der Bundesregierung als staatlich geförderte Altersvorsorge eingeführt. Damit sollte dem demografischen Wandel in Deutschland Rechnung getragen werden, nachdem klar wurde, dass die Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung den meisten Haushalten nicht zur Aufrechterhaltung ihres Lebensstandards im Alter ausreichen würden. Mit der Einführung der Riester-Rente erschienen zahlreiche Vorsorgeprodukte auf dem Markt und ständig kommen neue hinzu. Die Kritikpunkte der Verbraucherschutzverbände und des Bundes der Versicherten beziehen sich vor allem auf die magere Rendite der Rentenversicherungen, die hohen Kosten der Produkte und die undurchsichtigen Strukturen. Vor diesem Hintergrund verloren viele Kunden das Vertrauen in diese Form der Altersvorsorge. Eine deutlich abnehmende Zahl an Neuverträgen in 2012 war die Folge. Einzig Riester-Sparverträge, die den Neubau oder den Erwerb von Wohneigentum zum Ziel haben, weisen stolze Zuwachsraten auf.

Wohnriester – Sparen für das Eigenheim

Der Abschluss eines Wohnriester-Vertrages hat nicht die monatliche Rentenzahlung nach dem Eintritt in den Altersruhestand zur Folge und unterscheidet sich damit von allen anderen Vorsorgeplänen. Mit Wohnriester kommen die Besitzer des Vertrages in den Genuss einer staatlichen Förderung beim Erwerb oder Bau eines Eigenheims, einer Eigentumswohnung oder dem Kauf von Genossenschaftsanteilen. Staatliche Zulagen und Steuervorteile machen diese Form der Altersvorsorge für die Sparer so attraktiv. Nicht selten können Häuslebauer die Finanzierungskosten mithilfe der staatlichen Subventionen um mehrere Tausend Euro senken.

Die staatliche Förderung

Die Grundzulage des Staates beträgt, wie bei allen anderen Produkten der Riester-Rente, 154 Euro. Das Geld kann in einen Sparvertrag investiert oder zur Tilgung des Darlehens verwendet werden. Familien profitieren gleich doppelt. Für jedes Kind wird zusätzlich ein Betrag von 185 bzw. 300 Euro gezahlt. Auf letztgenannte Summe haben Familien Anspruch, deren Nachwuchs nach 2008 geboren wurde. Grundvoraussetzung für die Auszahlung der Zulagen in voller Höhe ist die Einzahlung von vier Prozent des Jahreseinkommens in einen Riester-Sparvertrag.

Wohnriestern mit dem Bausparvertrag

Liegt der Erwerb oder Neubau des Eigenheims noch in der Zukunft, lohnt sich der Abschluss eines riestergeförderten Bausparvertrages. Bei dieser Form des Sparens wird eine vertraglich vereinbarte Bausparsumme über mehrere Jahre angespart. Das Guthaben wird alljährlich zu einem festgelegten Satz verzinst. Ein Darlehen von der Bausparkasse in gleicher Höhe erhält der Kunde, wenn die Hälfte der Bausparsumme angespart worden ist. Die staatlichen Zulagen können bei diesem Modell sowohl in der Ansparphase als auch in der Tilgungsphase in Anspruch genommen werden. Eine Alternative zum Bausparvertrag bildet ein Sparvertrag bei der Bank. Diese Form der Wohnriester-Rente bietet sich für Personen an, in deren Lebensplanung noch keine Klarheit herrscht, ob das angesparte Vermögen tatsächlich zum Kauf einer Immobilie verwendet werden soll. Im Zweifelsfall können sich die Betroffenen später eine Riester-Rente auszahlen lassen.

Wohnriester als Steuersparmodell

Wohnriester überzeugt nicht allein wegen der staatlichen Zuschüsse. Für viele Personen stehen die steuerlichen Vorteile im Vordergrund. Generell können bei Wohnriester zwei unterschiedliche Strategien verfolgt werden. Es gibt eine zulagen- und eine steueroptimierte Variante. Die zulagenoptimierte Version sieht vor, dass der Bauherr vier Prozent seines Jahreseinkommens in den Sparvertrag oder die Darlehenstilgung investiert, um in voller Höhe die Zulage zu erhalten. Bei der steueroptimierten Variante werden die vier Prozent des Jahreseinkommens eingezahlt, um den Höchstbetrag an Sonderausgaben steuerlich geltend machen zu können. Ergibt sich nach der Durchsicht der Steuerunterlagen ein höherer Steuervorteil, erstellt das Finanzamt über den Differenzbetrag eine Steuergutschrift. Singles profitieren von dieser Version stärker als Familien, da sie nur die Grundzulage in Höhe von 154 Euro erhalten. Zu beachten ist bei allen steuerlichen Vorteilen die nachgelagerte Besteuerung im Alter. Das Finanzamt führt auf einem sogenannten Wohnförderkonto sämtliche Zulagen, Sparbeiträge und Tilgungen gesondert in den Akten. Spätestens mit dem Eintritt in das Rentenalter muss der Sparer sich entscheiden, ob er die Beiträge und Zuschüsse aus dem Wohnriester-Vertag bis zum 85. Lebensjahr mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern will oder den Betrag mit einer Zahlung begleicht.

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Ein Kommentar auf "Wohnriester: Mit staatlicher Förderung zum Eigenheim"

  1. Ein sehr schöner Artikel.

    Ab 2013 soll Wohn Riester auch durch ein Elf-Punkte-Programm vereinfacht werden. Insbesondere sind die wichtigsten Neuerungen eine flexible Kapitalentnahme, geringere Besteuerungen und die jederzeit mögliche Einmal- Besteuerung.

    Ich bin gespannt, ob dieses Programm durchgesetzt wird. Das wäre ja mal eine gute Verbesserung für die Verbraucher.